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Greenwashing bei Reiseangeboten: Unklare Klimaversprechen erkennen

09.10.2026

Ein grünes Hotel-Label sagt noch nicht, wie umweltfreundlich eine ganze Reise ist. Prüfen Sie, worauf sich ein Klimaversprechen bezieht, welche Nachweise dahinterstehen und ob Anreise und Aufenthalt mitgedacht sind. Kompensation ersetzt nicht die Verringerung von Emissionen direkt an ihrer Quelle.

Erst fragen: Was genau ist hier „nachhaltig“?

„Grüne Auszeit“, „klimafreundlich“ oder „nachhaltig reisen“ klingt beruhigend, sagt für sich genommen aber wenig. Greenwashing kann entstehen, wenn ein Angebot umweltfreundlicher wirkt, als es ist. Fragen Sie daher nicht nur, ob eine Aussage gut klingt, sondern worauf sie sich bezieht: auf das Hotel, die Verpflegung, den Transport oder die Reise insgesamt? Eine konkrete Erklärung sollte den Umfang des Versprechens und die dazugehörigen Belege auffindbar machen. Bleibt es bei Naturbildern, grünen Farben und einem allgemeinen Slogan ohne nähere Erläuterung, fehlt Ihnen eine Grundlage zum Vergleichen.

Nicht nur das Hotel bewerten

Bei einem Reiseangebot zählen mehrere Bausteine. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die stärksten Belastungen häufig durch An- und Abreise entstehen. Auch am Urlaubsort beansprucht der Aufenthalt Ressourcen wie Wasser, Energie und Fläche. Ein Angebot mit sparsamer Unterkunft kann daher trotzdem eine belastende Anreise einschließen. Stellen Sie sich für den Vergleich zwei Fragen: Wie komme ich hin und zurück, und was wird über den Aufenthalt konkret zugesagt? Betrachten Sie das als Prüfraster, nicht als exakte Ökobilanz: Ohne nachvollziehbare Daten lässt sich aus einem Werbeversprechen allein keine vollständige Umweltbewertung berechnen.

Ein Beispiel: „grünes Hotel“ mit Flugreise

Angenommen, eine Fernreise hebt ein nachhaltiges Hotel hervor, nennt aber weder Kriterien für die Unterkunft noch Details zur Anreise. Das ist kein Beweis für Täuschung, aber ein Anlass nachzufragen. Welche Umweltstandards erfüllt das Hotel? Bezieht sich die Aussage auf Energie oder Wasserverbrauch, oder auf den gesamten Aufenthalt? Ist die Anreise Teil der Bilanz? Der Vergleich mit einer näher gelegenen Alternative und einer Anreise per Bahn oder Bus kann die Aussage einordnen. Das UBA rät, nähere Ziele zu bevorzugen und Flugreisen sowie Kreuzfahrten möglichst zu vermeiden.

Siegel und Klimabeiträge richtig einordnen

Ein Blatt-Symbol oder ein selbst gestaltetes „Eco“-Abzeichen ist nicht automatisch eine unabhängige Zertifizierung. Suchen Sie nach den Kriterien, der Prüfstelle und einer verständlichen Erklärung, für welches Angebot das Zeichen gilt. Bei einem Klimaversprechen lohnt eine weitere Unterscheidung: Wird behauptet, die Reise selbst sei klimaneutral, oder wird ein freiwilliger Klimabeitrag angeboten? Das UBA erläutert, dass solche Versprechen häufig mit Kompensation zusammenhängen und dass Emissionen vorrangig dort verringert werden sollten, wo sie entstehen. Ein Beitrag zu einem Klimaschutzprojekt ist daher nicht dasselbe wie eine emissionsarme Anreise.

Kurze Checkliste vor dem Buchen

Prüfen Sie vor der Buchung die Aussage Schritt für Schritt: Was wird als nachhaltig bezeichnet? Gibt es konkrete, nachprüfbare Kriterien oder ein transparent zertifiziertes Zeichen? Werden Hin- und Rückfahrt sowie der Aufenthalt berücksichtigt? Und ist ein Klimabeitrag klar von einer tatsächlichen Emissionsminderung unterschieden? Wenn Angaben fehlen, bitten Sie den Anbieter um eine schriftliche Erklärung und vergleichen Sie gleichartige Reisebausteine statt nur Werbeetiketten. Eine gute Antwort macht Grenzen und Reichweite des Versprechens sichtbar; ein einzelnes grünes Schlagwort ersetzt diese Information nicht.

Quellen

  1. Umweltbundesamt
  2. Umweltbundesamt
  3. Umweltbundesamt